Nikon 50mm F1.8 Serie E

Danke Nikon! Da sich seit etwa 700 Jahren der F-Mount Anschluss nicht verändert hat, kann man auch an moderne Nikon DSLR’s noch Linsen aus dem frühen 17ten Jahrhundert montieren. Das große Auktionshaus macht es möglich: Viel Linse für ganz wenig Geld! Naja, viel Linse ist leicht übertrieben. Das Nikon 50mm 1.8 Serie E ist ein echter Winzling.

D800 mit Nikon 50mm F1.8 Serie E
D800 mit Nikon 50mm F1.8 Serie E

Man sollte allerdings die „Nikon Serie E“ nicht mit den „Nikkor“ Objektiven verwechseln. Die 50er AI Nikkore kosten auch heute noch weit über 100,- Euro. Angesichts dieses Preises sollte man sich dann überlegen, ob man nicht ein neues AF Nikkor 50mm 1:1,8D kauft, falls man doch mal schnell was mit Autofokus fotografieren möchte (~140,- Euro). Ja … die Serie E hat ausschließlich einen manuellen Fokus.

Die Serie E wurde in den 70er Jahren aufgelegt und sollte Kunden erreichen, denen die „guten“ Nikkor-Linsen einfach zu teuer waren.  Während die Nikkore überwiegend aus Metall sind und auch beschichtetes Glas besitzen, sind die E-Serie Linsen aus Kunststoff und nicht vergütet. Allerdings ist das 50er so simple, dass es auch sehr gut ohne Vergütung auskommt.

Meine Linse habe ich für knapp 70,- Euro inklusive Versand ersteigert. Wenn man etwas Glück hat, bekommt man sie schon für 40,- bis 50,- Euro, allerdings war bei meiner Linse noch die original Verpackung, die Bedienungsanleitung, beide Verschlusskappen, die Gegenlichtblende und ein Nikon L39 UV Filter dabei. Das war mir der Mehrpreis dann doch wert.

D610 mit Objektiv, Schachtel, Gegenlichtblende, Schutzkappe und Bedienungsanleitung
D610 mit Objektiv, Schachtel, Gegenlichtblende, Schutzkappe und Bedienungsanleitung

Die original Gegenlichtblende ist aus Gummi und wird in das Filtergewinde eingeschraubt … sie wird wohl in der Schachtel Staub ansetzen! 🙂

die Gegenlichtblende aus Gummi
die Gegenlichtblende aus Gummi

Hier nochmal der Winzling von vorne:

MKA_2477
die Linse verliert sich schon fast an der Kamera

Doch kommen wir zum Eigentlichen. Was kann das Ding?

Ich habe dazu die D810 mit AF-S 24-70 F2.8 auf ein Stativ gepackt und bei Blende 11 mit 50mm ein Foto geschossen:

D810 mit AF-S 24-70 auf 50mm F11, Spiegelvorauslösung, elektronischer 1. Vorhang
D810 mit AF-S 24-70 auf 50mm F11, Spiegelvorauslösung, elektronischer 1. Vorhang

Hier der 100% Crop aus der Mitte:

D810 100% Crop
D810 100% Crop

Dazu das 50mm Serie E an der D800 (ebenfalls mit Blende 11 und Spiegelvorauslösung aufgenommen):

D800 mit 50mm 1.8 Serie E
D800 mit 50mm 1.8 Serie E

Auch hier der 100% Crop:

100% Crop der 50mm Serie E
100% Crop der 50mm Serie E

Jetzt die beiden im direkten Vergleich:

50mm Serie E gegen 24-70 auf 50mm im Vergleich, 100% Crop
50mm Serie E gegen 24-70 auf 50mm im Vergleich, 100% Crop

Das folgende Foto ist mit dem (300,- Euro teureren) AF-S 50mm 1.4 G an der D800 aufgenommen:

D800 mit AF-S 50mm 1.4 G
D800 mit AF-S 50mm 1.4 G

Auch hier der 100% Crop:

100% Crop des 1.4 G
100% Crop des 1.4 G

Etwas merkwürdig ist allerdings das Betrachten der Fotos am Bildschirm, wo man vergeblich die Daten der Linse sucht:

keine Daten zur Linse
keine Daten zur Linse

Es wird weder die Linse, Brennweite noch Blende angezeigt.

UPDATE: nach etwas Recherche im Internet (danke Ken Rockwell) habe ich erfahren, dass sehr wohl Blende und Brennweite in den EXIF-Daten angezeigt werden, sobald man die Linse im Menü „System“ unter „Objektivdaten“ eingetragen hat. Danach funktioniert auch die Matrixmessung. Super cool.

Zwar immer noch keine Objektiv-Bezeichnung, aber Brennweite und Blendenwerte.
Zwar immer noch keine Objektiv-Bezeichnung, aber Brennweite und Blendenwerte.

Hier noch zwei Fotos, aufgenommen mit der D610 und dem 50er Serie E. Beide Fotos sind JPG’s, direkt aus der Kamera und bis auf das Wasserzeichen unbearbeitet.

D610 mit 50mm Serie E
D610 mit 50mm Serie E
D610 mit 50mm Serie E
D610 mit 50mm Serie E

Mein Fazit: Ich würde behaupten: Wer den Autofokus nicht braucht und sich Zeit zum Fotografieren nimmt, kann mit dem 50mm Serie E keinen Fehler machen. Es fühlt sich weder billig an, noch ist es kompliziert damit umzugehen. Es steht in der Bildqualität weder dem 24-70 F2.8 noch dem 50mm F1.4 G nach. Es ist winzig klein, passt in jede Fototasche und bietet ein Lichtstärke von 1.8. Einziges Manko: Zuhause am Rechner kann man nicht mehr sehen, mit welcher Blende das Bild aufgenommen wurde. Aber mal ehrlich … ist das wichtig, wenn ein tolles Foto dabei rausgekommen ist?

Und darauf freue ich mich besonders … demnächst mit dem 50er Serie E … Stichwort: entschleunigte Fotografie

mein nächstes Projekt ... "mach weniger Fotos"
mein nächstes Projekt … „mach weniger Fotos“

Es ist zwar kein tolles Motiv aber die Art wie es entstanden ist, fand ich super schön … in aller Ruhe … mit manuellem Fokus … und körnig!      🙂

3 Gedanken zu „Nikon 50mm F1.8 Serie E“

  1. Hallo Norbert,

    vielen Dank für Deinen konstruktiven Kommentar. Schön das es Leute gibt, die sich noch die Zeit nehmen und überhaupt eine Anmerkung schreiben.

    Ich habe mir Deinen Test angeschaut und finde diesen auch nicht schlecht. Allerdings siehst Du auch an den Kommentaren zu Deinem Blogeintrag, dass es immer Leute gibt, denen man es nicht recht machen kann.

    Und … selbst in Deinem Vergleichstest gehst Du nicht (z.B.) auf den Schärfeabfall im Randbereich der Linsen ein und eben dieser unterscheidet sich gewaltig bei den unterschiedlichen Linsen (egal bei welcher Blende). Ich wollte mit meinem Vergleich lediglich aufzeigen, dass man mit dem 50er Serie E tolle Fotos machen kann … und das bei einer Blende mit der ich (sehr oft) Landschaft fotografiere. Es gibt im Netz schon zu viele Tests in der Leute eine Backsteinmauer oder Test-Charts abfotografieren und auswerten. Davon braucht die Welt nicht noch einen Blogeintrag.

    Die Ergänzung über die Exif-Daten hatte ich unter dem Stichwort „Update“ schon erwähnt, aber trotzdem nochmal danke für den Tipp.

    Jetzt weiß ich wenigstens, wo ich mich hinwenden kann, wenn ich mal eine FM3A oder FA haben möchte, … oder ein AIS 28mm F2.8 😉

    Viele Grüße
    Mario

  2. Die Serie E Objektive von Nikon waren keineswegs zweite Wahl und im Vergleich zu den aktuellen AF Brennweiten ist die mechanische Verarbeitung – ein Traum !

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